Wie man Tattoo Preise berechnet, beschäftigt Einsteiger genauso wie Tätowierer mit jahrelanger Erfahrung. Zu niedrige Preise entwerten deine Arbeit und laugen dich aus; zu hohe können Kunden abschrecken, solange du dir noch keinen Namen gemacht hast. In diesem Artikel zeigen wir eine einfache Methode zur Preiskalkulation, die Faktoren, die den Preis bestimmen, und Rechenbeispiele. Ziel ist, dass du deine eigenen Zahlen nachvollziehbar und einheitlich findest.
Zuerst die eigenen Kosten kennen
Der erste Schritt ist zu wissen, was dich eine Arbeitsstunde kostet. Schau dir deine monatlichen Kosten an:
- Studioanteil oder Miete
- Verbrauchsmaterial: Nadeln, Cartridges, Farbe, Handschuhe, Folie
- Ersatz und Wartung der Ausstattung
- Marketing und Abos
- Das Monatseinkommen, das du dir selbst zahlen willst
Teilst du die Summe durch die Stunden, die du im Monat tatsächlich tätowierst, hast du die Untergrenze deines Stundensatzes. Zeichnen, Kundenkommunikation und Vorbereitung kosten auch Zeit; rechne diese Stunden mit ein. Wenn du deine Kosten noch nicht erfasst, fang mit dem Artikel zur Buchhaltung für Tätowierer an.
Beispiel für den Stundensatz
Die Zahlen sind reine Beispiele:
| Posten | Monatlich |
|---|---|
| Angestrebtes Einkommen | 4.000 € |
| Material | 600 € |
| Marketing und Abos | 300 € |
| Rücklage für Ausstattung | 100 € |
| Gesamtbedarf | 5.000 € |
Tätowierst du etwa 80 Stunden im Monat, ergibt sich ein Bedarf von 5.000 € / 80 = 62,50 € pro Stunde. Arbeitest du im Studio mit 40 % Anteil, muss dieser Betrag nach Abzug des Studioanteils übrig bleiben; der Stundensatz für den Kunden liegt dann bei 62,50 € / 0,60 ≈ 104 €. Details zum Anteil findest du im Artikel zur Tattoo-Studio Provision.
Was den Preis beeinflusst
Größe
Mit der Größe steigen Zeit und Materialverbrauch. Der Preis wächst aber nicht unbedingt linear mit; bei kleinen Motiven macht die Vorbereitung einen großen Teil der Gesamtzeit aus.
Detailgrad
Zwei gleich große Tattoos können aus klaren Linien oder aus dichter Schattierung mit feinen Details bestehen. Der Zeitunterschied ist groß und sollte sich im Preis zeigen.
Farbe
Farbige Arbeiten dauern meist länger und brauchen mehr Material.
Körperstelle
Rippen, Hals, Hände und Füße sind technisch anspruchsvoller und für den Kunden empfindlicher; die Sitzung braucht mehr Pausen und geht langsamer voran.
Designzeit
Ein individuelles Motiv kann Stunden dauern. Manche Tätowierer rechnen die Designzeit in den Preis ein, andere nehmen eine eigene Designgebühr.
Cover-up
Ein altes Tattoo zu überdecken, braucht mehr Aufwand in Design und Umsetzung.
Drei gängige Preismodelle
| Modell | So funktioniert es | Vorteil | Achtung |
|---|---|---|---|
| Stundensatz | Geschätzte Zeit x Stundensatz | Fair bei großen Arbeiten | Kunden wollen die Summe vorher wissen |
| Festpreis | Ein fester Preis pro Motiv | Klar für den Kunden | Bei falscher Zeitschätzung verlierst du |
| Sitzungspreis | Fester Preis für eine Sitzung bestimmter Länge | Praktisch bei Mehrfachsitzungen | Was eine Sitzung umfasst, muss klar sein |
Viele Tätowierer arbeiten bei kleinen Motiven mit Festpreis und bei großen mit Stunden- oder Sitzungspreis.
Einen Mindestpreis festlegen
Egal wie klein das Tattoo ist, es gibt Vorbereitung, Sterilisation, Material und Gesprächszeit. Deshalb ist ein Mindestpreis sinnvoll: Er sorgt dafür, dass auch der kleinste Auftrag diese Fixkosten deckt. Orientier dich an deiner eigenen Vorbereitungszeit und den Materialkosten. Dauern Vorbereitung und Aufräumen zusammen eine Stunde, sollte der Mindestpreis mindestens einem Stundensatz entsprechen.
Rechenbeispiel
Ein Kunde möchte am Unterarm ein 15 cm großes Black-&-Grey-Motiv mit mittlerer Schattierung. Dein Stundensatz liegt bei 100 €.
- Geschätzte Stechzeit: 3 Stunden
- Designzeit: 1,5 Stunden (im Preis enthalten)
- Gesamt: 4,5 Stunden x 100 € = 450 €
- Spanne mit Puffer für Unsicherheit: 450 € bis 550 €
Nenn bei dieser Spanne auch gleich die Anzahlung und den Restbetrag. Wie du den Preis kommunizierst, zeigen die Vorlagen im Artikel zu Antworten auf Tattoo-Preisanfragen.
Den Markt beobachten, ohne zu kopieren
Die Preise anderer Tätowierer in deiner Gegend zu kennen, ist nützlich; sie ohne Kenntnis deiner eigenen Kosten zu übernehmen, ist riskant. Miete, Studioanteil und Arbeitstempo eines anderen können sich stark von deinen unterscheiden. Nutze Marktpreise als Kontrollpunkt und rechne mit deinen eigenen Zahlen. Mit wachsender Erfahrung, besserem Portfolio und mehr Nachfrage ist es normal, die Preise anzupassen.
Wann du deine Preise anpassen solltest
- Wenn du wochenlang im Voraus ausgebucht bist.
- Wenn die Materialpreise deutlich gestiegen sind.
- Wenn dein Nettoverdienst am Monatsende regelmäßig unter dem Ziel liegt.
- Wenn sich Stil und Qualität spürbar weiterentwickelt haben.
Eine Preiserhöhung früh anzukündigen und bereits gemachte Angebote zum alten Preis einzuhalten, erhält das Vertrauen.
Angebote einheitlich verschicken
Steht der Preis fest, sollte er auch einheitlich beim Kunden ankommen. Mit dem Angebots-Link in Tattoo Artist Books schickst du Preis oder Preisspanne zusammen mit deinen freien Zeiten. Der Kunde wählt seinen Termin selbst, ein Slot kann nicht doppelt gebucht werden, und das Angebot hat eine Gültigkeitsdauer; mit einem abgelaufenen Angebot lässt sich kein Termin zum alten Preis buchen. Das hilft gerade dann, wenn du deine Preise anpasst.
Eine Preisliste veröffentlichen?
Manche Tätowierer veröffentlichen eine feste Preisliste, andere nur einen Einstiegspreis. Weil jedes Tattoo anders ist, ist eine komplette Liste schwierig, ein paar Angaben offen zu teilen hilft aber:
- Mindestpreis: Kunden wissen, wo selbst das kleinste Motiv beginnt.
- Flash-Preise: Für fertige Motive sind Festpreise einfach und beschleunigen die Entscheidung.
- Sitzungspreis: Ein Tages- oder Halbtagessatz für große Projekte gibt Kunden eine Budgetvorstellung.
- Anzahlungsregel: Anzahlung und Erstattungsbedingungen gleich mit dem Preis zu nennen, spart spätere Fragen. Mehr dazu im Artikel zur Tattoo Anzahlung.
Vorsicht bei Rabatten und Aktionen
Ein Rabatt kann helfen, freie Slots zu füllen oder Stammkunden zu belohnen. Häufige, ungeplante Rabatte gewöhnen Kunden aber daran, auf die nächste Aktion zu warten, statt zum normalen Preis zu buchen. Wenn du Rabatt gibst, leg die Regel vorher fest: für welche Arbeiten, an welchen Tagen, wie viel. Kläre auch vorher, wie sich ein Rabatt auf den Studioanteil auswirkt, sonst geht er womöglich komplett von deinem Anteil ab. Jeden Rabatt zu erfassen, zeigt dir am Monatsende auch deinen echten Durchschnittspreis.
Vergleich nach der Preisfestlegung ein paar Monate lang die tatsächliche Sitzungsdauer mit deiner Schätzung. Dauert es regelmäßig länger, passe entweder die Zeitschätzung oder den Preis an.
Fazit
Um Tattoo Preise zu berechnen, kenne zuerst deine Kosten und dein Wunscheinkommen, leite daraus den Stundensatz ab und kalkuliere dann jedes Motiv nach Größe, Detailgrad, Farbe, Stelle und Designzeit. Leg einen Mindestpreis fest, nenn Kunden eine klare Spanne und überprüf deine Preise in regelmäßigen Abständen. Eine einheitliche Preisgestaltung schützt dich und gibt Kunden Sicherheit.