Die meisten Tätowierer, die in einem Studio arbeiten, haben eine Prozentvereinbarung: Ein fester Anteil jedes Auftrags geht ans Studio, der Rest bleibt beim Tätowierer. Auf dem Papier ist die Berechnung von Provision und Studioanteil einfach. Sobald Anzahlungen, Mehrfachsitzungen, Material und Rabatte ins Spiel kommen, wird es schnell unübersichtlich. In diesem Artikel rechnen wir konkrete Beispiele mit gängigen Sätzen wie 30, 40, 50 und 60 Prozent durch, zeigen, wo die Rechnung hakt, und listen Fragen für die Vereinbarung auf.
Was ist der Studioanteil und was deckt er ab?
Der Studioanteil ist der Teil jedes Auftrags, den der Tätowierer dem Studio für dessen Leistungen überlässt. Was dazugehört, ist von Studio zu Studio verschieden, meist aber:
- Räume, Miete, Strom, Wasser und Internet
- Liege, Lampe und gemeinsame Ausstattung
- Sterilisation und Reinigung
- Name des Studios, Social Media und die Kunden, die es bringt
- Empfang, Terminannahme und Kundenkommunikation
- In manchen Studios das Verbrauchsmaterial
Schau beim Gespräch über den Satz also auch darauf, was du dafür bekommst.
Die Grundformel
Im Kern sind es zwei Zeilen:
- Studioanteil = Auftragspreis x Studiosatz
- Dein Anteil = Auftragspreis - Studioanteil
Bei einem Auftrag über 800 € und 40 % beträgt der Studioanteil 320 €, dir bleiben 480 €.
Prozentbeispiele für einen einzelnen Auftrag
So teilt sich derselbe Auftrag über 800 € bei verschiedenen Sätzen auf:
| Studiosatz | Studioanteil | Dein Anteil |
|---|---|---|
| 0 % (eigenes Studio) | 0 € | 800 € |
| 30 % | 240 € | 560 € |
| 40 % | 320 € | 480 € |
| 50 % | 400 € | 400 € |
| 60 % | 480 € | 320 € |
Schon bei einem einzigen Auftrag macht der Unterschied im Satz eine spürbare Summe aus. Über Dutzende Aufträge im Monat vervielfacht er sich.
Monatsbeispiel: gleicher Umsatz, verschiedene Sätze
Angenommen, du hast im Monat 7.000 € Umsatz gemacht und 600 € Material aus eigener Tasche bezahlt:
| Satz | Studioanteil | Dein Anteil (brutto) | Netto nach Material |
|---|---|---|---|
| 30 % | 2.100 € | 4.900 € | 4.300 € |
| 40 % | 2.800 € | 4.200 € | 3.600 € |
| 50 % | 3.500 € | 3.500 € | 2.900 € |
| 60 % | 4.200 € | 2.800 € | 2.200 € |
Die entscheidende Frage: Wer zahlt das Material, du oder das Studio? Übernimmt das Studio bei einem höheren Satz das Material, schrumpft der Abstand zu einem niedrigeren Satz, bei dem du alles selbst kaufst. Vergleich deshalb immer den Nettobetrag nach Material.
Situationen, die die Rechnung verkomplizieren
Anzahlung
Ist die Anzahlung Teil des Gesamtpreises, wird auch der Studioanteil vom Gesamtpreis berechnet. Schwierig wird es, wenn ein Kunde nicht erscheint und die Anzahlung einbehalten wird: Wird sie geteilt oder bleibt sie als Bezahlung der Designarbeit beim Tätowierer? Klärt das vorher. Regeln zur Anzahlung findest du im Artikel zur Tattoo Anzahlung.
Projekte mit mehreren Sitzungen
Wird bei einem Rückenstück mit fünf Sitzungen der Anteil von jeder Sitzungszahlung abgezogen oder erst am Ende vom Gesamtbetrag? Pro Sitzung abzurechnen erleichtert den Monatsabschluss und verhindert Streit, falls das Projekt abgebrochen wird.
Rabatte und Freundschaftspreise
Hast du einem Kunden Rabatt gegeben, wird der Anteil dann vom reduzierten Preis berechnet? Meist zählt der tatsächlich kassierte Betrag, aber auch das sollte abgesprochen sein.
Nachstechen
Kostenloses Nachstechen bringt keinen Umsatz, belegt aber Platz und Material. Bezahltes Nachstechen kann normal abgerechnet werden. Leg die Regel vorher fest.
Kartenzahlung
Bei Kartenzahlungen fallen eventuell Gebühren an. Ob der Anteil vor oder nach Abzug der Gebühr berechnet wird, ist ebenfalls zu klären.
Fragen für die Vereinbarung
- Von welchem Betrag wird der Satz berechnet: Listenpreis oder kassierter Betrag?
- Wer trägt das Material?
- Gilt für Kunden des Studios ein anderer Satz als für deine eigenen?
- Wie werden einbehaltene Anzahlungen geteilt?
- Wie oft wird abgerechnet: täglich, wöchentlich, monatlich?
- Was gilt für Nachstechen und kostenlose Arbeiten?
Wenn die Antworten schriftlich festgehalten sind, gibt es später weniger Missverständnisse. Für einen schriftlichen Vertrag lohnt sich ein Blick durch einen Rechtsanwalt.
Aus Sicht des Studioinhabers
Als Inhaber legst du den Satz anhand deiner Fixkosten fest, danach, wie gut der Tätowierer seinen Platz auslastet, und wie viele Kunden das Studio bringt. Arbeiten Tätowierer mit unterschiedlichen Sätzen, ist eine Aufstellung von Umsatz und Anteil pro Person Pflicht; sonst verschwimmt am Monatsende, wer was erwirtschaftet hat. Zur allgemeinen Organisation lies unseren Artikel zur Buchhaltung für Tätowierer.
Nicht mehr jeden Auftrag von Hand rechnen
Bei mehreren Aufträgen am Tag kostet es Zeit, jeden Prozentsatz auszurechnen und am Monatsende alles zu addieren; ein falscher Wert verlängert die Abrechnung. In Tattoo Artist Books stellst du den Studioanteil auf 0 %, 30 %, 40 %, 50 % oder 60 %, und im Auftragsblatt jedes Projekts erscheint dein Anteil automatisch. In der Monatsübersicht stehen Umsatz, Studioanteil, Ausgaben und Nettoverdienst getrennt, sodass du und das Studio bei der Abrechnung auf dieselben Zahlen schauen.
Einen neuen Satz bewerten
Bekommst du ein Angebot von einem anderen Studio oder verhandelst du neu, rechne deinen echten Umsatz der letzten drei Monate mit beiden Sätzen nach dem Schema oben durch. Rechne Material, Fahrtkosten und mögliche zusätzliche Kunden durch das Studio mit ein. Wer nur auf den Prozentsatz schaut, übersieht leicht wichtige Posten.
Aufzeichnungen, die die Abrechnung erleichtern
Streit um den Studioanteil entsteht meist durch fehlende Aufzeichnungen. Rechnen Tätowierer und Studio denselben Monat unterschiedlich, ist meist eine Zahlung auf einer Seite erfasst und auf der anderen nicht. Dagegen hilft, pro Auftrag festzuhalten:
- Datum und Name des Kunden
- Gesamtpreis des Auftrags
- Heute erhaltene Zahlung und Zahlungsart
- Angewendeter Studiosatz
- Studioanteil und dein Anteil
Am Abrechnungstag schauen beide auf dieselbe Liste, und bei einer Abweichung findest du sofort die betreffende Zeile. Wird wöchentlich abgerechnet, erleichtert eine kurze Wochenübersicht auch den Monatsabschluss.
Diese Aufzeichnungen sind der wichtigste Nachweis deines Verdienstes. Auch bei der Arbeit mit dem Steuerberater am Jahresende spart eine ordentliche Liste Zeit.
Denkst du über ein eigenes Studio nach, betrachte die 0-%-Zeile realistisch: Rechne Miete, Nebenkosten und Ausstattung dazu und sprich mit einem Steuerberater.
Fazit
Die Tattoo-Studio Provision beginnt mit einer einfachen Multiplikation. Sind Anzahlung, Material, Rabatte und Mehrfachsitzungen aber nicht geklärt, gibt es am Monatsende Streit. Klärt vorher, von welchem Betrag gerechnet wird, wer das Material zahlt und wie oft abgerechnet wird, und erfass jede Zahlung. Wenn du deine Preise mit dieser Rechnung überprüfen willst, lies weiter bei Tattoo Preise berechnen.